PHILIP ARP 1929-1987 Autor, Regisseur, Schauspieler

PFANTASIE OH MEI
von Rudolf Vogel

Zurück in die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts: eine Zeit der Aus- und Aufbrüche, auch und gerade auf dem Theater. Von Agitprop über Mitspiel- bis zum antiteater: Proklamationen, Provokationen, Manifeste, Pamphlete allenthalben. Dem hielt Philip Arp seine Verlautbarung entgegen: Hiermit gebe ich nichts bekannt. Auch das eine Provokation, gewiss. Aber nicht nur. Anders als viele seiner Zeitgenossen, die mit oft großem Aktionismus die Gesellschaft und die Welt verändern wollten zugunsten der sog. "kleinen Leute", sah Arp sich, ohne eine Fahne zu hissen oder ein Transparent zu entrollen, ganz unaufgeregt und selbstverständlich an deren Seite, wollte er ihnen mit seinen Szenen, Vorträgen und Gedichten, seinen Zeichnungen, Collagen und Erfindungen eine Stimme geben. Darin (aber nicht nur darin) ähnlich seinem großen Vorbild Karl Valentin. Überraschend die Aktualität vieler seiner Texte: etwa zum Leben und Überleben in München, zum Umgang mit dem Fremden oder zur Kritik an allzu großer Wissenschafts-und Fortschrittsgläubigkeit.
Die Inszenierung des heutigen Abends stellt sie in den Mittelpunkt. Vielleicht liegt es auch an der Fähigkeit, im Zeitbezogenen das über die Zeit Hinausweisende, aber ebenso die absurden, komischen, widersprüchlichen und damit nur allzu menschlichen Bezüge zu erkennen, zu zeigen und zur Grundlage einer künftigen Theaterarbeit zu machen, dass die von Philip Arp und seiner Partnerin Anette Spola 1970 gegründete TamS-Bühne als einzige von seinerzeit etwa 40 Off-Theatern überlebt hat - und das nicht schlecht.

„Für alles gibt es Museen. Bloß für Museen gibt‘s noch kein Museum. Was willst‘n da ausstellen? - Mu-Seen! - Seen! Das wird schwer werdn.“ In ein paar Sätzen das weite Spektrum des allein der „Phantasie-Wahrheit“ verpflichteten Künstlers Philip Arp aufzuzeigen, käme dem Versuch gleich, einen See in einem Museum auszustellen. Am Beginn seiner Karriere hat Arp wunderbar unbekümmert mit Handpuppen experimentiert. Später, in den 70er-Jahren, hat er mit seiner Partnerin Anette Spola in beider Theater, dem >>Theater am Sozialamt, immer wieder Szenen von Karl Valentin gespielt und eigene Valentinaden, in denen er einen besonderen, wehmütig filigranen Stil entwickelte. 1978 tritt er zusammen mit Jörg Hube an den Kammerspielen in Urs Widmers Endspiel Nepal auf. Ein Jahr später spielen die beiden, diesmal am TamS, die ihnen von Widmer gewidmete Uraufführung von Stan und Ollie in Deutschland. Philip Arp ist auf dem Höhepunkt seiner Schauspielerkarriere: Er fasziniert als Darsteller zerbrechlich vergeistigter Menschen, als sensibel hintersinniger Komödiant. Ähnlich querdenkerisch fantasievoll arbeitet Philip Arp als Zeichner, als Popartist (Wachs-Kerze im Blumentopf). Zudem frönt er am TamS seiner Leidenschaft für Opernspektakel: Er dirigiert u.a. Wildes Salome und Webers Freischütz. Und er schreibt außer den Valentinaden wundersam gedrechselte Texte - er ist, ganz im Sinne Karl Valentins, ein charmanter Sprachspieler, ein radikaler Wortwörtlichnehmer. Philip Arp war 19, als die Münchner Karl Valentin verhungern ließen. Eigentlich keine Ermutigung, sich so einen zum Vorbild zu nehmen. Aber Arp wuchs wie der große Querdenker im Handwerkermilieu der Au auf - einem Milieu, das offenbar den Blick auf das Komische im Alltag schärft. Wie Valentin hat sich auch Arp ein kindliches, oft fassungsloses Staunen und eine frei assoziierende Fantasie bewahrt, die Kleinigkeiten in die fürchterlichsten, lachhaft endgültigen Katastrophen treiben lässt. 1987, 58 Jahre alt, ist Philip Arp gestorben. Thomas Thieringer

Glanz ist in der kleinsten Hütte

 


 

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I hob de Büacha dick.

Büacha san Schdaubfenga,

awa ned blos desweng -

i mogs aa ned wega de

vuin kloana Buckstam

und wei des a Zuamudung is

fia d Augn. Und

weiles hoid eimfach ned mog.

Büacha, bsondas de dickan

de hob i am dickan.

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