Thomas Bernhard VOM SCHLIMMSTEN DAS BESTE
Süddeutsche Zeitung,
18. Januar 2011
Nichts geht gut aus
Ein hübsch gruseliger Thomas-Bernhard-Abend im TamS
Sophie Wendt und Lorenz Claussen sitzen an ihren
Schreibtischen und lesen zwischen zeitungsberichthafter
Sachlichkeit, trockenem Juristendeutsch und Bernhardschem
Aberwitz mäandernde Minidramen um Mord, Totschlag und Suizid
vor: Weil sich das erwartete Erhabenheitserlebnis auf dem
Gipfel nicht einstellt, erschlägt eine Gruppe Wanderer ihren
Bergführer. Ein Briefträger meuchelt mit akribischer
Sorgfalt eine Schwangere. Fahrgäste fallen tot und steif aus
der Londoner Untergrundbahn, ein Theaterautor jagt mit dem
Maschinengewehr jedem Zuschauer, der an der falschen Stelle
lacht, eine Kugel in den Kopf. (…) Der junge Regisseur
Lorenz Seib beweist bei seinem TamS-Debüt ein feines Gespür
für absurde Komik. Auch in den biedersten Verhältnissen, das
macht dieser hübsche gruselig-lustige Abend deutlich, sollte
man sich nie beruhigt zurücklehnen. Nur eines ist in
Bernhards Welt sicher: Was auch geschieht, es kann nicht gut
ausgehen.
Münchner
Merkur,
17. Januar 2011
Skurril und verspielt
Stimmig wie Seibs Titel "Vom Schlimmsten das Beste" wirkt
auch seine Regalwand, randvoll mit Aktenordnern,
Karteikästen, Zimmerpflanzen und allerlei Kitsch-Nippes –
die perfekte verstaubte Amtsstube, wo zwei überfällige, aber
wohl unkündbare Angestellte uns / sich Zeitungsnotizen und
Gerichtsprotokolle, alias Bernhards pointenhaft zugespitzte
Anekdoten, vorlesen.
Theaterkritiken.com, 17. Januar 2011 Hommage
an einen Nestbeschmutzer
Die Qualität des Abends resultierte weniger aus der
sprachlichen Interpretation der Texte, sondern vielmehr aus
der obskuren Stimmung, die sich im Spannungsfeld
menschlicher Tragödien und dem Eigenleben der „unbelebten“
Natur, die in dem vorliegenden Fall nicht abgenabelt
existierte, herstellte. Das menschlich Unfassbare wurde zum
(sichtbaren) Unfassbaren an sich. In dieser sonderbaren
Stimmung entfalteten die Bernhardschen Texte über eine
Stunde hinweg ein kafkaeskes Eigenleben.
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