Startseite

TamS

TamSerl

Spielplan

Vorschau

Aktivisten

Presse

Archiv

Information

 

 

 

 

 

 

 

 

>> DAS ECHOLOT von Walter Kempowski

bearbeitet von Hildegard Schroedter und Joachim Henn

Süddeutsche Zeitung, 29. Februar 2008 Geschichtstableau Hildegard Schroedter wagt sich nun im TamS an das Unmögliche: Sie bringt "Das Echolot" auf die Bühne. Und denkt dabei Kempowski weiter. Der Fokus wird enger, die zeitliche Einordnung wird noch stärker aufgehoben, den Realitäten des Krieges wird Gegenwart gegenüber gestellt. Sechs Schauspieler kramen in einem Keller nach Geschichte. Machen das Textmaterial zu ihrem eigenen, ohne sich auf einen Figurentypus festlegen zu lassen. Wer Täter ist, ist eben auch Opfer. Aus heutiger Sicht, klar, da geht´s uns wieder gut; es gibt wieder genug zu essen – und mit den Tellern werden die Biographien ermordeter Juden gereicht. Und das Lied "Heimat, deine Sterne".

Die deutsche Bühne, April 2008 Walter Kempowski wollte dem Vergessen vorbeugen. Daher sammelte er über Jahrzehnte Aufzeichnungen von Zeitzeugen aus den Jahren 1941 bis 1945 und fasste sie zu einer zehnbändigen Publikation, einem "kollektiven Tagebuch" zusammen: ein 8000-seitiges Kompendium, das Hildegard Schroedter und Joachim Henn für die Bühne umgearbeitet haben – und das mit Bravour: Die Kraft der Inszenierung liegt in ihrer Unauffälligkeit. Im Wort liegt die Macht. Die Schauspieler (Lorenz Claussen, Helmut Dauner, Christine Dechantsreiter, Gloria Iberl, Adam Markiewicz, Lorenz Seib) lassen sich von ihm treiben, verzweifeln an ihm, sterben, hoffen, hungern, töten durch es. Wer Opfer ist, ist auch Täter und umgekehrt. Die dramatischen Momente entstehen durch die Vermischung von Tragischem und Banalem.
Der Regisseurin ist eine Inszenierung gelungen, die noch lange nachhallt und damit genau das erfüllt, was Kempowski sich gewünscht hat: den Stimmen aus dem Jenseits Gehör zu verschaffen, damit sie ihre Geschichten zu Ende erzählen können.

 

<< zurück zur Übersicht Presse