>> WILDE DINGE von Judith Al Bakri und Jochen Strodthoff
Münchner Merkur, 7. Mai
2008 Wild gewordene
Körper im TamS
Werbung ist Glücksversprechen. Und für Glücksverlangen muss man
umgekehrt nicht lange werben. Aber da jeder seines Glücks
Schmied ist, kommt keiner um Eigenwerbung herum. Ob
Selbstvermarktung und Konsum dann wirklich glücklich machen,
steht noch einmal auf einem anderen Blatt. Mit ihrem Text "Wilde
Dinge. Ein Hoffnungsträgerabend" steckt die Schauspielerin und
Autorin Judith Al Bakri ein weites Spannungsfeld ab. Vielleicht
ist es gar zu weit. Bei der Uraufführung im Münchner TamS
jedenfalls zerfiel das Regie-Konzept von Al Bakri und Jochen
Strodthoff in viele schöne Einzelteile.
Zusammen mit Rainer Haustein, Andreas Herzog und der
ur-komischen Irene Rovan fabrizieren Judith Al Bakri und Jochen
Strodthoff eine absurde Nummernrevue: Man produziert sich
linkisch beim Werbecasting, spielt mit der Salatschleuder
Roulette um Haushaltsgegenstände und sitzt um 90 Grad gedreht
auf einem an die Wand genagelten Stuhl und wundert sich ob der
merkwürdig gestörten Schwerkraft. Irrwitziges Körpertheater und
sprachgewandtes Gedankenspiel - Hoffnungsträger für die Münchner
Off-Szene sind Al Bakri und ihre Truppe allemal. Aber die in sie
gesetzten Erwartungen haben sie mit früheren Programmen wie
"Stillstand" schon besser erfüllt. Christine Diller
<< zurück zur Übersicht Presse