Glanz ist in der kleinsten Hütte

 


 

Der Spielplan

Das Haus

Die Presse

Das Archiv

Die Leute

Der Förderverein

Die Koordinaten

Die Grenzgänger

 


VIELLEICHT LÄSST SICH DIE KATASTROPHE JA NOCH POTENZIEREN
Ein halber Untergang von Lorenz Seib und Ensemble

Abendzeitung 21.2.2017 Experimente zum Weltuntergang
Schon, wenn sich der Vorhang hebt, gab es zur Premiere Applaus. Lorenz Seib stellte die Bühne mit viel Liebe zum Detail voll mit Zeugs und Kram wie den Keller eines leidenschaftlichen Hobbybastlers. Der Regisseur spielt mit und klettert überraschend aus den Regalen. Gemeinsam mit Sophie Wendt und Helmut Dauner bildet Seib ein schräges Trio, das mit angestrengtem und deshalb hochkomischem Ernst Experimente zum Weltuntergang betreibt. (…) Das Stück ist eine apokalyptische Schnurre und clownesk verspielte Wissenschaftssatire. (…) Die Amateurforscher (…) haben zudem ein Herz für die Musik. Wendt, Dauner und Seib überraschen mit glockenhellen Stimmen und bewegend hingebungsvoll gesungenen Madrigalen (Musikalische Leitung: Maria Collien). (…) Das große Finale ist der Klimakatastrophe gewidmet. Die Versuchsanordnung besteht aus einem Terrarium, in dem die Szenerie eines Badestrands nachgebaut ist. Nach Pannen, Pech und Pleiten wird es zum Aquarium einer ersoffenen Menschheit. Und das ist, so verrät der Untertitel, nur „ein halber Untergang“. Mathias Heiny

Münchner Merkur, 21.2.2017 Genussvoll ungelenk
In Miniformat nachgespielte Untergangsszenarien – das ist so ziemlich genau der geeignete Theaterstoff fürs Münchner TamS: „Vielleicht lässt sich die Katastrophe ja noch potenzieren“, suggerieren in chaotisch-schräger Spielweise Sophie Wendt, Helmut Dauner und TamS-Co-Chef Lorenz Seib (auch Raum und Regie).
Licht an, und wir schauen in einen Abstellkeller, wirr zugerümpelt mit diversem Material. Das braucht es, um die Folgen des Klimawandels zu inszenieren. Rein in die Labor-Kittel, und los geht´s mit den Naturereignissen: Geduldig aus Karten und Bierdeckeln aufgebaute Gebäude werden zum Einstürzen gebracht, Papierhäuschen mit großen Ventilatoren weggeblasen, ein ganzes Dorf in einem Aquarium mittels Gartenschlauch unter Wasser gesetzt. Das alles bewerkstelligen die drei natürlich genussvoll ungelenk. (…) Malve Gradinger

Süddeutsche Zeitung, 20.2.2017 Abgetaucht
Vielleicht sind sie die Überlebenden einer Apokalypse. Vielleicht sind sie aber auch Gott, der, leicht wunderlich, in seinem Stübchen sitzend, sein Unwesen mit der Menschheit treibt. (…) Überlebende oder Gott – es könnte beides stimmen. Die drei Figuren jedenfalls scheinen in einer finsteren Werkstatt festzusitzen, oder in einem Keller. Sie ziehen allerlei Materialien aus den voll gestopften Regalen und beginnen eine Reihe kruder Experimente. (…) Das Ende der Menschheit wird imaginiert – oder nachgespielt, je nachdem, wie man es betrachten möchte. Die Figuren sind gleichermaßen Opfer wie Auslöser der Naturkatastrophen, wie der reale Mensch eben auch. Zwischendurch rezitieren die Drei Texte von Goethe, Ingeborg Bachmann und das Gedicht „Weltenende“ von Jakob van Hoddis. (…) Sie singen, und das gar nicht mal schlecht, Madrigale. Es sind Reminiszenzen an die kulturellen Errungenschaften der Menschheit, die zelebriert werden, eine Erinnerung an das, was hier gerade symbolisch zugrunde gerichtet wird. Das mag sich bös anhören, ist aber ein Abend voll verspielter Regieeinfälle und derart schräger Komik, dass man die Möglichkeit eines Weltuntergangs plötzlich gar nicht mehr so schlimm findet. Christiane Lutz

<< zurück zur Übersicht