
Für Eberhard Kürn
Eberhard Kürn starb 52jährig. Er war Bühnenbildner.
Das sagt zu wenig. Man muss ihn erlebt haben:
Der Bühnenraum war sein Lebensraum.
Der
physische Raum war ihm Gedankenraum. Sein Handwerk, ausdifferenziert bis
ins Feinste, war ihm eine Art Meditation.
Es ist ein Unterschied zwischen sich etwas ausdenken und etwas ersinnen.
Eberhard ersann Bühnenräume und Requisiten. Er verfertigte nicht,
bewerkstelligte nicht – er erwirkte.
Mit einfachsten Mitteln, schlicht handwerklich verwandelte Eberhard
Dinge und Räume in einen Zustand bodenständiger Schwerelosigkeit: wieder
eine jener Paradoxien der Rätselhaftigkeit unserer Lebenswelt.
Eberhard brachte Verborgenes zur Ansicht, löste Probleme der Technik,
der Versinnlichung stückgerechten Denkens, ohne dass die Problemlast das
Spiel beschwerte.
Es war, als hätten seine Bühnenbauten Körpertemperatur.
Und dies über 30 Jahre lang im kleinen, kargen TamS-Theater am
Sozialamt: uns zur Freude, zur kritischen Besinnung, zum Erkennen
ästhetischer Qualität. Dafür sollten wir Eberhard danken, posthum, und
traurig uns erinnern: wie er sich selbstvergessen verlor und sich
selbstgewiss gewann durch seine wunderbare Arbeit als stiller,
bedächtiger, leidenschaftlicher Bühnenraumbildner.
21. Februar 2007
F. G. Scheuer